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Reviews

http://fragmentology.ms/issues/2-2019/boewe-koob

wird. Wird sie, aber eben erst in Teil 2 auf S. 62. Ähnliches findet sich bei weiteren Fragmenten.

Auch wäre es insgesamt positiv gewesen, neben der sehr exak-ten Schriftbeschreibung sowie den Angaben der Notationen, etwas mehr Kodikologie beziehungsweise kunsthistorische Aspekte bei-spielsweise bezüglich der Initialen mit aufzunehmen. So werden weder Beschreibungen der Initialen, das Vorhandensein von Margi-nalien oder Foliierungen noch das Vorkommen von Seitenverweisen in die Erläuterungen aufgenommen.

Eine grundlegende Schwierigkeit stellen sehr häufig die Da-tierungen dar. Jeder Fachmann weiß, wie schwer es ist, liturgische Fragmente in Textualis oder Textura einigermaßen genau zu da-tieren. Insofern ist ein eher weiterer Datierungsrahmen, wie Boe-we-Koob ihn bei den meisten Fragmenten wählt, nachvollziehbar. Warum aber die zusammengehörigen Fragmente Nr. 24 und Nr. 25 auf „um 1350“ datiert werden, erschließt sich mir nicht, aber es wäre höchst aufschlussreich, die Gründe für diese sehr exakte Datierung darzulegen oder einfach den Datierungsrahmen auf „Mitte“ oder „2. Drittel“ zu erweitern. Die Datierung („nach 1000“ bzw. „nach 1100“) der beiden karolingischen Fragmente Nr. 38 und Nr. 39 bei einem der wenigen Spezialisten*innen zu erfragen, die eventuell sogar auf ein Skriptorium hätte ergänzt werden können, wurde leider verab-säumt.

Gerade bei dem bereits genannten Fragment Nr. 25 unterbleibt ein Hinweis auf die am selben Tag begangenen Feste von Georg und Adalbert, was im Bistum Konstanz eher unüblich war. Außerdem werden im Text nicht Alternativgebete für Georg aufgeführt, sondern die Alternativen sind die Gebete für Adalbert. Ebenso unerwähnt bleibt die wichtige Angabe, dass dem Buchbinder offensichtlich ein größerer Teil dieses Codex vorgelegen hatte, wenn ein Teil aus dem Proprium de tempore aus der Zeit nach Ostern (Nr. 24) und ein Teil aus dem Sanktorale aus dem Monat April (Nr. 25) stammt.

Die Fragmente Nr. 28 und 31 können durchaus noch näher eingeordnet werden. Die in Nr. 28 vor dem Formular der Dominica quinta post pent. aufgeführten Epistel- und Evangelienlesungen sind Teile der Feria sexta post dominicam quartam post pent., die übrigens in Nr. 30 inhaltlich erneut auftauchen. In Nr. 30 gehen